Cross-Selling im Onlineshop: Beispiele und Strategien
- Julian Kaspari
- 26. Juli
- 8 Min. Lesezeit

Was ist Cross-Selling im Onlinehandel, und welche Beispiele gibt es?
Cross-Selling bedeutet, einem Kunden ergänzende Produkte zu dem anzubieten, was er gerade kauft oder in den Warenkorb gelegt hat. Wer eine Kamera bestellt, sieht Empfehlungen für Speicherkarten, Kamerataschen und Reinigungssets. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusst platzierte Empfehlung, die den Bestellwert erhöht, ohne den Kunden zu drängen.
Im deutschen E-Commerce gehört Cross-Selling zu den wirksamsten Hebeln für mehr Umsatz mit bestehenden Besuchern. Laut Forrester-Analystin Sucharita Kodali sind Produktempfehlungen im E-Commerce für 10 bis 30 % der Gesamtumsätze verantwortlich.
Typische Beispiele aus der Praxis:
Zalando setzt auf KI-gesteuerte Empfehlungen, die passende Accessoires, Schuhe oder Pflegeprodukte direkt unter dem Hauptartikel einblenden.
Thomann, Europas grösster Musikversandhandel, hat nach der Einführung von KI-Empfehlungen auf Basis von Google Vertex AI einen Anstieg von 13 % mehr Artikeln pro Warenkorb erzielt.
Ein Onlineshop für Sportartikel empfiehlt zum Laufschuh automatisch passende Socken und eine Trinkflasche.
Ein Möbelhändler zeigt zum Kinderbett Matratzen, Bettwäsche und Lattenroste, nicht das meistgekaufte Produkt im gesamten Shop.
Der entscheidende Unterschied zum Upselling: Cross-Selling erhöht die Anzahl der Artikel im Warenkorb. Upselling zielt darauf ab, den Kunden zu einer teureren Variante desselben Produkts zu bewegen, zum Beispiel ein Smartphone mit mehr Speicher statt des Basismodells.
Inhaltsverzeichnis
Welche Vorteile bringt Cross-Selling für Onlinehändler?
Der offensichtlichste Nutzen ist die Steigerung des durchschnittlichen Bestellwerts. Wenn ein relevanter Anteil der Kunden einen Zusatzartikel mitbestellt, wächst der Umsatz messbar, ohne dass ein einziger neuer Kunde akquiriert werden muss. Das ist der Kern des Arguments für Cross-Selling: mehr Ertrag aus dem Traffic, der ohnehin schon da ist.
Darüber hinaus verbessert ein gut platziertes Zusatzangebot das Einkaufserlebnis. Wer zum Laptop direkt die passende Maus und eine Schutzhülle empfohlen bekommt, muss nicht selbst suchen. Das spart Zeit und erzeugt das Gefühl, gut beraten zu werden.
Höherer Bestellwert: Strategisches Cross-Selling im Warenkorb steigert den durchschnittlichen Bestellwert durch ergänzende Produkte spürbar.
Bessere Kundenbindung: Relevante Empfehlungen stärken das Vertrauen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Wiederkaufs.
Geringere Abbruchrate: Personalisierte Empfehlungen können die Warenkorbabbruchrate senken, weil der Kunde das Gefühl eines vollständigen Einkaufserlebnisses bekommt.
Effizienz durch KI: Grosse Kataloge mit Hunderten von Produkten lassen sich nur mit KI-gestützten Empfehlungsmodellen sinnvoll abdecken. Regelbasierte Systeme stossen dort schnell an Grenzen.
Profi-Tipp: Verknüpfen Sie Cross-Selling-Empfehlungen mit Social Proof. Formulierungen wie „Andere Kunden haben dazu auch gekauft“ wirken stärker als neutrale Produktlisten, weil sie Kaufverhalten anderer sichtbar machen und sanften Handlungsdruck erzeugen.
Laut Forrester sind Produktempfehlungen für 10 bis 30 % der E-Commerce-Umsätze verantwortlich.
Welche Fehler beim Cross-Selling sollten Sie unbedingt vermeiden?
Der häufigste Fehler ist Überladung. Wer auf einer Produktseite acht Empfehlungen einblendet, erzeugt Entscheidungsmüdigkeit. Der Kunde scrollt vorbei oder bricht den Kauf ab. Zwei bis drei Empfehlungen pro Touchpoint sind das Maximum, das sinnvoll ist.
Ebenso schädlich sind irrelevante Empfehlungen. Ein Kunde, der eine Kaffeemaschine kauft, erwartet Empfehlungen für Kaffeebohnen oder Entkalkungsmittel, nicht für Staubsauger. Schlechte Produktdaten und fehlende Kategorisierung sind oft die Ursache dafür.
Zu viele Empfehlungen auf einmal: Beschränken Sie sich auf maximal zwei bis drei Vorschläge pro Seite.
Unpassende Produkte: Empfehlungen müssen zum Hauptartikel passen, nicht zum meistverkauften Produkt im gesamten Katalog.
Cross-Selling im Checkout: Wer mitten in der Zahlungsabwicklung steckt, will keine neuen Entscheidungen mehr treffen. Jede zusätzliche Option kostet dort Conversion.
Fehlende Personalisierung: Generische Empfehlungen ohne Bezug zur Kaufhistorie oder zum aktuellen Artikel wirken wie Werbung, nicht wie Beratung.
Mangelnde Datenpflege: Unvollständige Produkteigenschaften und falsche Kategoriezuordnungen machen jede automatisierte Empfehlung unbrauchbar.
Profi-Tipp: Testen Sie Ihre Empfehlungsblöcke regelmässig mit A/B-Tests. Welche Formulierung, welche Produktauswahl und welche Platzierung erzeugt die höchste Klickrate? Bauchgefühl reicht hier nicht.
Cross-Selling und Upselling: Was ist der Unterschied?
Beide Begriffe werden oft verwechselt, verfolgen aber klar unterschiedliche Ziele.
Cross-Selling bietet ein ergänzendes Produkt an. Wer ein Smartphone kauft, bekommt eine Schutzhülle empfohlen. Der Warenkorb wächst in der Breite.
Upselling empfiehlt eine höherwertige Variante desselben Produkts. Statt des Basismodells wird das Smartphone mit mehr Speicher oder besserer Kamera vorgeschlagen. Der Warenkorb wächst in der Höhe.
Ziel Cross-Selling: Mehr Artikel pro Bestellung, höherer Gesamtbestellwert durch Ergänzungsprodukte.
Ziel Upselling: Höherer Einzelproduktpreis durch eine Premium-Variante.
Timing Cross-Selling: Produktseite, Warenkorb, nach dem Kauf. Am stärksten direkt nach einer erfolgreichen Kaufentscheidung.
Timing Upselling: Vor oder bei der Kaufentscheidung, also auf der Produktdetailseite oder bei Vertragsverlängerungen.
Typischer Fehler Cross-Selling: Produkte empfehlen, die zum Katalog passen, aber nicht zum konkreten Kundenproblem.
Typischer Fehler Upselling: Die teurere Variante über Features begründen statt über den Mehrwert, den der Kunde tatsächlich braucht.
In der Praxis werden beide Methoden kombiniert: Cross-Selling auf der Warenkorbseite, Upselling auf der Produktdetailseite. Das ergibt typischerweise den höchsten Gesamteffekt.
Bewährte Cross-Selling-Strategien und konkrete Beispiele für Onlinehändler
1. KI-gestützte Empfehlungen wie bei Zalando
Zalando nutzt maschinelles Lernen, um Empfehlungen in Echtzeit auf das Surfverhalten, die Kaufhistorie und aktuelle Trends abzustimmen. Das Ergebnis: Empfehlungen, die sich wie persönliche Stilberatung anfühlen, nicht wie Werbung. Für Onlinehändler mit grossen Katalogen ist das der skalierbarste Ansatz.

2. Google Vertex AI wie bei Thomann
Thomann hat KI-Empfehlungen auf Basis von Google Vertex AI eingeführt und damit 13 % mehr Artikel pro Warenkorb erzielt. Das zeigt: Auch im Nischenmarkt (Musikinstrumente) funktioniert datengetriebenes Cross-Selling messbar besser als manuelle Produktzuordnungen.
3. Produktbundles mit Preisvorteil
Komplementäre Produkte zu einem Paket zusammenfassen und leicht rabattieren. Eine Kaffeemarke bündelt Bohnen, Mühle und Tassen zu einem „Home Brew Starter Kit“. Der Kunde legt nur einen Artikel in den Warenkorb, kauft aber drei Produkte. Gemischtes Bundling, bei dem Produkte sowohl einzeln als auch im Paket erhältlich sind, erzeugt dabei mehr Umsatz als reines Bundling, bei dem Produkte ausschliesslich im Paket verfügbar sind.

4. „Häufig zusammen gekauft“ auf der Produktseite
Die Platzierung direkt unter dem „In den Warenkorb“-Button ist der stärkste Touchpoint. Hier ist die Kaufabsicht am höchsten, und ergänzende Produkte werden als hilfreich wahrgenommen. Empfehlungen, die im sichtbaren Bereich ohne Scrollen erscheinen, performen laut Barilliance-Analyse 1,7-mal besser als weiter unten platzierte.
5. Warenkorb-Empfehlungen mit klarem Nutzen
Im Warenkorb zeigt der Kunde bereits Kaufabsicht. Hier funktionieren konkrete Ergänzungsprodukte mit klarem Nutzen besser als inspirierende Entdeckungsempfehlungen. „Andere haben dazu auch gekauft“ mit zwei bis drei passenden Add-ons ist das richtige Format.
6. Post-Purchase-E-Mails
Nach dem Kauf ist das Vertrauen hoch und die Kaufentscheidung bereits getroffen. Personalisierte Follow-up-E-Mails mit passenden Empfehlungen erreichen Kunden in einem Moment hoher Zufriedenheit. Dieser Kanal wird von vielen Onlinehändlern unterschätzt.
7. Saisonale Themenbundles
Zu Weihnachten, zum Schulstart oder im Sommer-Sale lassen sich thematische Pakete schnüren, die den Bestellwert steigern und dem Kunden die Entscheidung erleichtern. Ein Sportgeschäft bietet ein „Lauf-Starter-Set“ aus Schuhen, Socken und Trinkflasche an, mit einem spürbaren Preisvorteil gegenüber dem Einzelkauf. Solche Bundles lassen sich gut über Google Shopping und Meta-Kampagnen bewerben, weil der Preisvorteil die Klickrate erhöht.
Was Adsfactory aus der Praxis über Cross-Selling weiss
Adsfactory arbeitet täglich mit E-Commerce-Händlern, die ihre Werbeausgaben auf Meta und Google einsetzen. Was dabei auffällt: Viele Shops haben technisch funktionierendes Cross-Selling eingerichtet, aber die Produktdaten sind unvollständig oder die Empfehlungslogik passt nicht zur Zielgruppe. Das Ergebnis sind Empfehlungen, die niemand anklickt.
Sauber gepflegte Produktdaten sind die Grundlage für jede automatisierte Empfehlung. Vollständige Eigenschaften, korrekte Kategoriezuordnungen und aussagekräftige Produktgruppen entscheiden darüber, ob ein KI-System sinnvolle oder unsinnige Kombinationen vorschlägt.
Maximale Relevanz: Nur Produkte empfehlen, die zum aktuellen Artikel passen, nicht zum meistverkauften Produkt im Shop.
Beschränkung pro Touchpoint: Zwei bis drei Empfehlungen sind genug. Mehr erzeugt Entscheidungsmüdigkeit.
Kein Cross-Selling im Checkout: Empfehlungen auf der Produktseite und im Warenkorb sind deutlich effektiver.
Social Proof einbauen: Formulierungen wie „Kunden kauften auch“ oder Bewertungen direkt bei der Empfehlung erhöhen die Klickrate.
Empathische Ansprache: Cross-Selling soll sich wie Beratung anfühlen, nicht wie Werbung. Der Kundennutzen steht im Vordergrund, nicht das Produkt-Feature.
Profi-Tipp: Starten Sie mit regelbasiertem Cross-Selling für Ihre fünf meistverkauften Produkte. Analysieren Sie nach vier Wochen die Attach-Rate (Anteil der Bestellungen mit Zusatzprodukt) und den Umsatzanteil aus Cross-Selling. Erst wenn Sie diese Zahlen kennen, lohnt sich die Investition in ein KI-Empfehlungssystem.
„Cross-Selling ist kein Feature, das man einschaltet und vergisst. Es ist ein kontinuierlicher Prozess aus Datenanalyse, Testen und Anpassen. Wer das konsequent macht, sieht den Unterschied im Bestellwert.“ Julian Kaspari, Co-Founder Adsfactory
Wie Sie Cross-Selling Schritt für Schritt in Ihrem Webshop einführen
1. Warenkorbdaten analysieren Welche Produkte werden häufig zusammen gekauft? Diese Korrelationen sind der Ausgangspunkt für jede Cross-Selling-Strategie. Shopware und Shopify bieten dafür native Auswertungen, grössere Shops nutzen Google Analytics 4 oder ein CRM-System.
2. Quick Wins identifizieren Starten Sie mit den offensichtlichsten Produktkombinationen als regelbasiertes Cross-Selling auf der Produktseite und im Warenkorb. Fünf bis zehn gut gewählte Kombinationen bringen oft mehr als ein komplexes KI-System ohne saubere Datenbasis.
3. Touchpoints festlegen Produktdetailseite, Warenkorb und Bestellbestätigungsseite sind die drei effektivsten Stellen. Der Checkout bleibt frei von Empfehlungen.
4. Bundles erstellen Entwickeln Sie fünf bis zehn Produktbundles auf Basis Ihrer Kaufdaten. Testen Sie gemischtes Bundling: Produkte sowohl einzeln als auch im Paket anbieten.
5. KPIs definieren und tracken Ohne Tracking ist Cross-Selling Bauchgefühl. Die wichtigsten Kennzahlen:
Attach-Rate: Anteil der Bestellungen, die mindestens ein Zusatzprodukt enthalten.
Umsatzanteil Cross-Selling: Wie viel Prozent des Gesamtumsatzes stammt aus Empfehlungen?
Conversion-Rate pro Empfehlungsplatz: Welcher Touchpoint bringt die meisten Klicks und Käufe?
Durchschnittlicher Bestellwert (AOV): Vergleich vor und nach der Einführung von Cross-Selling.
6. DSGVO-konforme Personalisierung sicherstellen Personalisierte Empfehlungen auf Basis von Kaufhistorie oder Surfverhalten erfordern eine gültige Einwilligung nach der Datenschutz-Grundverordnung. Stellen Sie sicher, dass Ihre Datenschutzerklärung die Nutzung von Empfehlungsalgorithmen transparent beschreibt und Nutzer der Verarbeitung ihrer Daten zugestimmt haben. Für anonymisierte Empfehlungen auf Basis aggregierter Kaufdaten (z. B. „wird oft zusammen gekauft“) ist in der Regel keine individuelle Einwilligung erforderlich, solange keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Im Zweifel empfiehlt sich eine Abstimmung mit einem auf Datenschutzrecht spezialisierten Anwalt.
Wer datengetriebene Kampagnen mit Cross-Selling-Strategien verknüpft, erzielt deutlich bessere Ergebnisse als mit isolierten Massnahmen. Die Kombination aus gezielter Werbung und relevantem Zusatzangebot im Shop ist der effektivste Weg, den Kundenwert zu steigern.
Wichtige Erkenntnisse
Cross-Selling ist dann am wirksamsten, wenn Empfehlungen zur Kaufsituation passen, auf maximal zwei bis drei Produkte beschränkt sind und an den richtigen Touchpoints platziert werden.
Thema | Details |
Umsatzpotenzial durch Empfehlungen | Produktempfehlungen sind laut Forrester für 10 bis 30 % der E-Commerce-Umsätze verantwortlich. |
Beste Platzierung | Produktseite und Warenkorb performen am stärksten; Empfehlungen im sichtbaren Bereich ohne Scrollen erzielen 1,7-mal bessere Ergebnisse. |
Thomann-Praxisbeispiel | KI-Empfehlungen via Google Vertex AI haben die Artikelanzahl pro Warenkorb um 13 % erhöht. |
Checkout meiden | Cross-Selling im Zahlungsprozess senkt die Conversion-Rate; Empfehlungen dort kosten mehr als sie bringen. |
DSGVO beachten | Personalisierte Empfehlungen auf Basis individueller Daten erfordern eine gültige Einwilligung nach der Datenschutz-Grundverordnung. |
FAQ
Was sind konkrete Beispiele für Cross-Selling im Onlineshop?
Zalando empfiehlt passende Accessoires unter dem Hauptartikel, Thomann zeigt nach dem Kauf eines Instruments passendes Zubehör, und ein Elektronikhändler schlägt zur Kamera Speicherkarten und Taschen vor. Das gemeinsame Prinzip: die Empfehlung muss zum gewählten Produkt passen.
Was ist der Unterschied zwischen Cross-Selling und Upselling?
Cross-Selling bietet ergänzende Produkte an und erhöht die Artikelanzahl im Warenkorb. Upselling empfiehlt eine höherwertige Variante desselben Produkts und erhöht den Einzelproduktpreis. Beide Methoden lassen sich kombinieren und ergänzen sich im E-Commerce gut.
Welche Beispiele gibt es für Upselling im Onlinehandel?
Ein Smartphone-Shop empfiehlt statt des Basismodells die Version mit mehr Speicher. Ein Streaming-Dienst schlägt beim Abschluss das Jahresabo statt des Monatsabos vor. Ein Softwareanbieter hebt den Kunden vom Standard- auf den Premium-Plan mit erweiterten Funktionen.
Wie messe ich den Erfolg meiner Cross-Selling-Massnahmen?
Die wichtigsten Kennzahlen sind die Attach-Rate (Anteil der Bestellungen mit Zusatzprodukt), der Umsatzanteil aus Cross-Selling und die Conversion-Rate pro Empfehlungsplatz. Wer diese drei Werte regelmässig trackt, weiss, welche Empfehlungsregeln sich lohnen.
Ist Cross-Selling im Checkout erlaubt und sinnvoll?
Technisch erlaubt, aber in der Praxis kontraproduktiv. Wer mitten in der Zahlungsabwicklung neue Entscheidungen treffen soll, bricht den Kauf eher ab. Empfehlungen auf der Produktseite und im Warenkorb sind deutlich effektiver.
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